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FW Stammham; Zukunft der Landärzte als zugkräftiges Thema

Zukunft der Landärzte als zugkräftiges Thema

Aus der Praxis schilderte Dr. Martin Rieder die Ursachen für den Ärztemangel auf dem Land.  − Foto: Kleiner

01.02.2014

Wahlversammlung der Stammhamer Freien Wähler

Stammham. Über 70 Besucher fanden sich am Mittwoch zu einer Wahlversammlung der Stammhamer Freien Wähler beim Dorfwirt ein.

Großes Interesse weckte auch das aktuelle Thema: Dr. Martin Rieder, Arzt in Marktl, beschäftigte sich mit der Frage: Haben Landärzte noch eine Zukunft? Seine Prognose: Es geht nur vernünftig weiter, wenn die niedergelassenen Ärzte vom fortwährenden Regressdruck befreit werden, ein verlässliches Abrechnungssystem eine gewisse Sicherheit bietet und die Zulassungskriterien geändert werden.

Eingangs hatten der FW-Vorsitzende Franz Rudy und Gert Unterreiner die Freude über das große Interesse zum Ausdruck gebracht und als Wahlmotto "Das Beste für Stammham" ausgegeben. Ohne Angriffe auf die Mitbewerber von der CSU hieß Rudy einige von ihnen willkommen und sprach dem amtierenden Bürgermeister Franz Lehner die besten Genesungswünsche nach seiner Operation aus.

Natürlich sehen sie sich im sportlichen Wettstreit für die anstehende Wahl. Der FW-Bürgermeisterkandidat Georg Kammermeier gab einen Einblick in das Programm und nannte als wichtigstes Ziel den Erhalt der Schule und des Kindergartens und damit verbunden die Erhöhung der Einwohnerzahl. Mit mehr Angebot an Baugrund und Wohnungen sollte versucht werden, junge Familien für den Ort zu gewinnen, außerdem stellte er die Sanierung maroder Straßen als vordringliche Aufgabe heraus. Wichtig ist ihm auch, die Bürger besser in Entscheidungen einzubeziehen, außerdem eine verständliche und vorausschauende Gemeinde- und Grundstückspolitik, ein solider Haushalt und die Förderung von kleinen und mittelständischen Betrieben. Gert Unterreiner gab ihm Recht und stellte die Stärken Kammermeiers und der FW-Gemeinderatskandidaten heraus, die er einzeln vorstellte.

Der Referent Dr. Martin Rieder warf mit viel gesundheitspolitischem Insiderwissen einen Blick auf die Ursachen des sich abzeichnenden Ärztemangels auf dem Land: Marktl sei mit fünf Hausärzten noch gut gestellt. Diese versorgten aber Patienten aus einem großen Gebiet von Marktl über Stammham, Haiming und Perach bis ins Niederbayerische nach Julbach und Zeilarn.

Der Allgemeinmediziner und Internist zählte viele Ursachen dafür auf, warum sich für die Landpraxen oft keine Nachfolger mehr finden: So werde der Arztberuf immer weiblicher, "60 bis 70 Prozent der Medizinstudienanfänger sind Frauen", was grundsätzlich zu begrüßen sei. Der lange Arbeitstag eines Landarztes sei aber oft mit den Pflichten einer Frau mit Familie und Kindern schlecht vereinbar. Die Gesamtzahl der Ärzte ist zwar angestiegen, in den letzten Jahrzehnten sind aber laut Dr. Rieder auch viel mehr Fachgebiete entstanden. Bemerkbar mache sich auch der demografische Wandel mit immer mehr älteren Menschen und zunehmenden Wohlstandsleiden wie Diabetes oder Gefäßkrankheiten.

Einen weiteren Grund für den Hausarztmangel sieht er in den Zulassungskriterien zum Medizinstudium mit der geforderten Durchschnittsnote 1,3. "Es geht nur um den Schnitt und nicht die menschliche Kompetenz." Mit einer "schlechteren" Note komme so mancher gar nicht zum Zuge, der vielleicht mit Herzblut Arzt wäre.

Einige fest angestellte Krankenhausärzte fürchteten auch das finanzielle Risiko einer Niederlassung als Freiberufler. Schließlich sei der Hausarzt eine Art Geschäftsführer, verantwortlich auch für Personal und dass "der Laden läuft". Wieder andere schrecke die überbordende Bürokratie ab und ein ständig wechselndes Abrechnungssystem. Ärzte verlören damit viel Zeit, die sie lieber mit den Patienten verbringen würden. " Es geht nicht um mehr Geld, sondern um eine stabile Basis" fuhr er fort und sagte: "Wir Ärzte werden mit Regressdrohungen unterjocht." Die Krankenkasse zahle nur mehr lebensnotwendige Medikamente, der Patient müsse immer mehr selber kaufen, das sei ihm aber schwierig zu vermitteln. Überschreitet der Doktor sein Medikamentenbudget, hafte er mit dem Privatvermögen und Regressforderungen kämen zum Teil erst nach Jahren. Dasselbe drohe ihm, wenn er zu viele Heilmittel wie Massagen, Krankengymnastik usw. verschreibt. Hält er sich zurück, geht der Patient verärgert zur Krankenkasse, wo ihm gesagt werde: "Natürlich darf Ihr Arzt das verschreiben", aber verschwiegen werde, dass dieser bei einer Überschreitung des Budgets die Kosten selber tragen müsse.

Als weiteren Grund, warum junge Ärzte nicht so gerne aufs Land gehen, nannte er mangelnde Freizeitmöglichkeit und Infrastruktur und die zunehmende Belastung durch den Bereitschaftsdienst aufgrund größerer Bezirke. Dr. Rieder ging näher ein auf die Bereitschaftssituation im Landkreis (der Anzeiger berichtete) und meinte, "schauen wir, dass wir das solidarisch lösen können".

Würden die ganzen Zwänge von außen und der zunehmende Druck auf die Mediziner gelockert, wäre "Landarzt wirklich einer der schönsten Berufe und es wäre traurig für alle Seiten, wenn es ihn nicht mehr gäbe", war das Fazit des viel beklatschten Vortrags. − mk

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